Olivia

Was, wenn dein Leben irgendwann nur noch aus einer Frage besteht?
– Wo ist hier eine Toilette?

Ich bin Olivia und 31 Jahre alt und 2020 begann allmählich mein Leidensweg, den ich so niemals für möglich gehalten hätte.
Es kam immer häufiger zu Schwierigkeiten beim Toilettengang, teilweise zu Inkontinenz und schließlich zu schwersten Verstopfungen mit kolikartigen Darmschmerzen.
Zahlreiche Arztbesuche und Aufenthalte in der Notaufnahme folgten. Meine Beschwerden wurden auf ungesunde Ernährung, Stress und meine psychischen Vorerkrankungen geschoben.
Während mein Alltag zunehmend von meinem Darm bestimmt wurde, kämpfte ich mich mit Abführmitteln, Hilfsmittel und Klistieren durchs Leben. Ohne genau zu planen, wo sich eine geeignete Toilette befindet, ging ich kaum noch aus dem Haus.
– Dinge, über die kaum jemand spricht, wurden zu meinem Alltag.
– Jeder Toilettengang war mit Angst und Schmerz verbunden.
2021 brach ich meine Scham und ging zu einem Spezialisten. Nach drei Operationen am Enddarm und weiteren Untersuchungen erhielt ich schließlich die Diagnose ODS (Obstruktives Defäkationssyndrom) – eine Stuhlentleerungsstörung.
Mein Dickdarm war mit 1,70 m ungewöhnlich lang. Ein Teil des Darms lag im Unterleib. Es hatten sich ein Megakolon und eine Rektozele gebildet. Zusätzlich wurde eine Transportstörung festgestellt.
Im November 2022 wurden mir 90 cm Dickdarm entfernt (Hemikolektomie links).
Zum ersten Mal bekam ich unglaublich viel Lebensqualität zurück. Doch mein Alltag blieb von Ernährung und Abführmitteln geprägt. Mit der Zeit kamen immer häufiger Wechsel zwischen Durchfällen und Verstopfungen hinzu, die ich nur schwer kontrollieren konnte.
Anfang 2025 waren die Beschwerden wieder deutlich stärker. Nach langem Überlegen fasste ich den Entschluss:
Am 09.10.2025 ließ ich meinen gesamten Dickdarm entfernen und wurde zu einem stolzen Beuteltier. ❤️

Heute kann ich sagen:
Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Denn mein Stoma hat mir nicht mein Leben genommen. Es hat mir ein Stück Leben zurückgegeben.
Ich teile meine Geschichte, weil ODS noch immer nicht besonders bekannt ist. Und weil „Verstopfung“ nicht immer einfach nur Verstopfung bedeutet.
Niemand sollte das Gefühl haben, mit solchen Beschwerden nicht ernst genommen zu werden.
Wenn du selbst gerade an einem Punkt bist, an dem du denkst, dass es niemals besser wird, sage ich dir:
Bitte gib nicht auf!
Manchmal sieht der Weg zurück ins Leben anders aus, als man ihn sich vorgestellt hat.
Doch manchmal wartet genau dort, wo man am meisten Angst hat, ein neues Stück Freiheit. ❤️

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